Schatten im Kopf
Public Story

Schatten im Kopf

Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben, ein gleichmäßiges, beruhigendes Geräusch, das die Stille im Raum nur noch betont. Sonja spürt die Kälte des Fensters, obwohl sie mehrere Meter entfernt auf dem abgenutzten Sofa sitzt.

thecrazygirl #•#
Authorthecrazygirl #•#
Created23. July 2026
Chapters3

Story context

World description

Die Geschichte spielt in einer grauen, aber vertrauten deutschen Stadt. Die Umgebung ist eine Mischung aus engen Wohnungen, heruntergekommenen Hinterhöfen und ruhigen Parks. Die Atmosphäre ist oft angespannt, aber auch voller kleiner Momente der Wärme und Geborgenheit. Die Regeln sind einfach: Sonja darf nie allein sein, und jeder in ihrem Umfeld ist darauf trainiert, die Anzeichen einer nahenden Halluzination zu erkennen.

Initial situation

Es ist ein grauer, verregneter Nachmittag in der kleinen Stadtwohnung. Sonja sitzt auf dem Sofa, die Knie an die Brust gezogen, und starrt auf die gegenüberliegende Wand. Ihre Finger trommeln unruhig auf ihrem Bein. Sie hört ein Flüstern, das niemand sonst hören kann. Adrián, der gerade von der Arbeit kommt, bleibt in der Tür stehen und beobachtet sie mit besorgtem Blick. Er weiß, dass gleich etwas passieren wird. Leandro, der...

Objective

Sonja wünscht sich ein Leben ohne Gestalten, ohne Angst vor sich selbst. Adrián und Leandro wollen sie dabei beschützen, ohne sie zu erdrücken. Gemeinsam suchen sie nach einem Weg, ein normales Leben zu führen.

Chapter samples

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Chapter 1
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Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben, ein gleichmäßiges, beruhigendes Geräusch, das die Stille im Raum nur noch betont. Sonja spürt die Kälte des Fensters, obwohl sie mehrere Meter entfernt auf dem abgenutzten Sofa sitzt. Ihre Finger trommeln weiter, ein nervöser Rhythmus, der mit dem Flüstern in ihrem Kopf verschmilzt. Die Stimm...

Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben, ein gleichmäßiges, beruhigendes Geräusch, das die Stille im Raum nur noch betont. Sonja spürt die Kälte des Fensters, obwohl sie mehrere Meter entfernt auf dem abgenutzten Sofa sitzt. Ihre Finger trommeln weiter, ein nervöser Rhythmus, der mit dem Flüstern in ihrem Kopf verschmilzt. Die Stimme ist heute leise, kaum mehr als ein Hauch, der sich zwischen die Regentropfen schleicht. Siehst du sie?, fragt sie. Da, in der Ecke. Sie beobachtet dich schon die ganze Zeit. Sonja presst die Lippen zusammen und zwingt sich, nicht hinzusehen. Sie kennt das Spiel. Sie kennt die Regeln. Aber ihr Herz schlägt trotzdem schneller, und ihre Hände beginnen zu zittern. Adriáns Schlüssel klappert leise, als er ihn in die Schale neben der Tür legt. Er bleibt stehen, die Jacke noch halb an, und mustert sie mit diesem Blick, den sie so gut kennt. Besorgt. Wachsam. Als wäre sie ein Reh, das jeden Moment davonlaufen könnte. Leandro erhebt sich lautlos vom Küchenstuhl. Er macht eine kleine, kaum sichtbare Geste – ein Kopfschütteln, ein leichtes Heben der Hand –, die Adrián signalisiert, dass es noch nicht schlimm ist. Noch nicht. „Hey“, sagt Adrián leise und tritt näher. Seine Schritte sind bewusst langsam, fast zögerlich. „Ich bin wieder da.“ Sonja nickt, aber sie dreht sich nicht um. Ihre Augen sind auf die Wand gerichtet, auf den Fleck, wo das Flüstern etwas gesehen haben will. Es ist nur ein Schatten, sagt sie sich. Ein Schatten von der Lampe. Ein Riss im Putz. Nichts. „Ich habe Brötchen mitgebracht“, fährt Adrián fort, seine Stimme bemüht neutral. „Die vom Bäcker um die Ecke, die du magst. Sie sind noch warm.“ Das Flüstern wird lauter. Er lügt. Er will dich nur ablenken. Sie ist näher gekommen. Sie ist direkt hinter dir. Sonja beißt sich auf die Innenseite ihrer Wange. Der Schmerz ist scharf und real, ein Anker in der schwankenden Welt. Sie atmet tief ein, riecht den nassen Asphalt, der durch das gekippte Fenster hereinweht, und den schwachen Duft von Adriáns Aftershave. „Danke“, bringt sie hervor. Ihre Stimme klingt rau, als hätte sie lange nicht gesprochen. Leandro tritt leise neben Adrián. Er sagt nichts, aber seine bloße Anwesenheit ist beruhigend, ein stilles Gegengewicht zu der Unruhe, die in der Luft liegt. Er beobachtet Sonja, ihre angespannten Schultern, den starren Blick, und wartet. Das Flüstern wird zu einem Zischen. Dreh dich um. Beweis es. Zeig ihnen, dass du nicht verrückt bist. Sonjas Finger hören auf zu trommeln. Sie umklammert ihr Knie, die Knöchel weiß. Die Versuchung ist groß, sich umzudrehen, dem Drang nachzugeben. Nur ein Blick. Nur um zu sehen, ob wirklich etwas da ist. Aber sie kennt die Antwort. Es ist nie etwas da. Und trotzdem ist die Angst jedes Mal neu, jedes Mal überwältigend. Adrián macht einen weiteren Schritt, stellt die Tüte mit den Brötchen auf den kleinen Couchtisch. Der Duft von frischem Gebäck mischt sich mit dem Regen, ein warmer, vertrauter Geruch, der für einen Moment die Kälte in ihrem Inneren durchbricht. Sonja zwang sich ein Lächeln auf ihre trockenen Lippen und blickte die beiden Jungs an. Jede Faser in ihrem Körper schrie sie an, sie solle gucken, ihnen zeigen das sie nicht alleine sei. Ihre Freunde hier sind. Sonja presste ihre Nägel in ihre Haut wärendessen sich ihr ganzer Körper anspannte. Ihr seit nicht meine Freunde! Sagte sie sich. Ihr Bein zitterte. Ihr Lächeln verschwand.

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Chapter 2
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Adriáns Hand legt sich auf ihre Schulter, und für einen Moment spürt Sonja nichts als die Kälte seiner Finger durch den dünnen Stoff ihres Pullovers. Die Berührung dringt nicht zu ihr durch, nicht wirklich. Sie ist da, aber sie fühlt sich an, als gehöre sie zu einer anderen Welt, einer Welt, die hinter einer Glasscheibe liegt. Dann kniet...

Adriáns Hand legt sich auf ihre Schulter, und für einen Moment spürt Sonja nichts als die Kälte seiner Finger durch den dünnen Stoff ihres Pullovers. Die Berührung dringt nicht zu ihr durch, nicht wirklich. Sie ist da, aber sie fühlt sich an, als gehöre sie zu einer anderen Welt, einer Welt, die hinter einer Glasscheibe liegt. Dann kniet er sich vor sie, nimmt ihre Hände in seine. Seine Finger sind warm, die Haut rau von der Arbeit. „Hey, schau mich an, Schatz.“ Seine Stimme ist leise, aber fest. „Ich bin hier, okay? Es ist alles gut. Beruhige dich. Atme ein und aus, weißt du noch?“ Sonja blinzelt. Der Schatten an der Wand verschwimmt, wird zu einem grauen Fleck. Sie zwingt sich, Adrián anzusehen, seine blassgrauen Augen, die sie anstarren, als hinge ihr Leben davon ab. Und vielleicht tut es das auch. Er lächelt. Ein schmales, angespanntes Lächeln, aber es ist echt. Gemeinsam atmen sie ein, halten die Luft an, atmen aus. Der Rhythmus ist langsam, fast schmerzhaft, aber nach einer Weile lässt das Zittern in ihren Händen nach. Leandro hat sich leise an den Tisch gesetzt. Er schmiert Brötchen, die Marmelade verteilt sich gleichmäßig unter dem Messer. Er gibt Adrián ein Zeichen, ein kurzes Nicken, und Adrián hilft Sonja auf die Beine. Sie setzen sich zu dritt an den kleinen Tisch. Die Brötchen dampfen leicht, der Duft von Hefe und süßer Marmelade hängt in der Luft. Sonja starrt auf den Teller vor sich. Ihr Magen zieht sich zusammen, ein harter Knoten, der keinen Bissen zulässt. Ich will das Monster nicht füttern, denkt sie. Es hat kein Recht zu essen. Es hat kein Recht zu leben. Die Jungs reden leise auf sie ein, aber ihre Worte sind nur ein Rauschen, wie der Regen an den Scheiben. Sonja schüttelt den Kopf, immer wieder, bis Tränen über ihre Wangen laufen. „Das hast du nicht verdient“, flüstert sie. „Das hast du nicht verdient.“ Dann, ohne Vorwarnung, springt sie auf. Der Stuhl kippt nach hinten, knallt auf den Boden. Sie stößt Leandro mit aller Kraft weg, aber er ist schneller, fängt den Stoß ab, taumelt nur einen Schritt zurück. „Ich kann nicht“, flüstert sie. Dann wird ihre Stimme lauter, schriller. „Ich kann nicht! Ich kann nicht! Ich kann nicht!“ Sie schreit, als die Panik sie überrollt. Ihre Hände zucken, ihre Beine zappeln, als Adrián sie von hinten packt und zu Boden drückt. Leandro hilft ihm, ihre Arme auf den Teppich zu pressen, ihre Beine zu fixieren. „Nein, du isst jetzt was!“, sagt Leandro, aber seine Stimme zittert. „Lass mich los!“, schreit Sonja und versucht, ihren Kopf auf den Boden zu schlagen, aber Adriáns Hand fängt den Aufprall ab, drückt ihren Kopf sanft zur Seite. „Sonja, wach auf!“, schreit Adrián, sein Gesicht nah an ihrem. „Das bist nicht du! Wir sind hier, ja? Wir sind echt! Du bist stärker als die Monster, lass die nicht gewinnen!“ Sonja kämpft, ihre Muskeln brennen, ihr Atem geht in kurzen, flachen Stößen. Aber langsam lässt die Kraft nach. Ihr Körper erschlafft unter ihrem Gewicht, und die Tränen fließen jetzt ungehindert. „Es muss aufhören“, flüstert sie. „Bitte. Es muss aufhören.“

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Chapter 3
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„Lass mich los!“, schreit sie, die Worte überschlagen sich. „Ich muss diese Monster loswerden! Ich muss … Adrián, lass mich los! Es tut mir leid, bitte lass mich los!“Sonjas Körper bewegt sich, bevor ihr Verstand den Befehl dazu geben kann. Sie reißt sich los, ein Ruck, der Adriáns Griff für einen Sekundenbruchteil löst, und dann ist sie ...

„Lass mich los!“, schreit sie, die Worte überschlagen sich. „Ich muss diese Monster loswerden! Ich muss … Adrián, lass mich los! Es tut mir leid, bitte lass mich los!“Sonjas Körper bewegt sich, bevor ihr Verstand den Befehl dazu geben kann. Sie reißt sich los, ein Ruck, der Adriáns Griff für einen Sekundenbruchteil löst, und dann ist sie auf den Beinen, taumelt zur Tür. Ihre Finger finden die Klinke, sie reißt sie auf. Der kalte Luftzug aus dem Treppenhaus schlägt ihr entgegen, vermischt sich mit dem Geruch von Regen und kaltem Stein. Sie will hinaus, will rennen, will die Stimmen in ihrem Kopf hinter sich lassen, aber ihre Beine gehorchen ihr nicht mehr. Ein stumpfer Schmerz breitet sich in ihrem Nacken aus, warm und schwer, und sie spürt, wie ihre Knie nachgeben. Leandros Hände sind an ihren Schultern, fest, aber nicht grob, und sie hört seine Stimme, leise und ruhig, wie durch Watte. „Es tut mir leid, Sonja.“ Sie will etwas sagen, will schreien, will ihn wegstoßen, aber die Worte bleiben ihr im Hals stecken. Die Welt um sie herum wird weich, die Kanten verschwimmen, die Farben verlaufen ineinander. Die Monster, die eben noch geflüstert haben, schweigen. Der Schmerz in ihrer Brust, der sie die ganze Zeit begleitet hat, lässt nach, wird zu einem fernen Echo, das langsam verhallt. „Nein …“, flüstert sie, aber es ist nur ein Hauch, ein letzter Atemzug, bevor die Dunkelheit sie einholt. Alles ist ruhig. Friedlich. Leandro fängt sie auf, bevor sie auf den Boden schlägt, und trägt sie zurück ins Wohnzimmer. Er legt sie vorsichtig auf das Sofa, ihre Glieder sind schwer und leblos, ihr Gesicht entspannt, die Falten der Anspannung für einen Moment geglättet. Er richtet sich auf, atmet tief durch, und dann sieht er Adrián an. Adrián hockte versteinert auf dem Boden, die Jacke halb offen, das Gesicht weiß wie die Wand. Er starrt auf Sonja, auf ihren reglosen Körper, auf die Art, wie ihr Kopf zur Seite gefallen ist, der Mund leicht geöffnet. Seine Hände zittern. „Es war die einzige Möglichkeit“, sagt Leandro leise. „Sie hätte sich wehgetan.“ Adrián nickt, aber es ist eine mechanische Bewegung, ohne Überzeugung. Er geht zum Sofa, kniet sich neben Sonja, nimmt ihre schlaffe Hand in seine. Ihre Finger sind kalt, die Haut blass. Er drückt sie, so sanft er kann, als könnte er sie durch die Betäubung hindurch erreichen. Dann kommen die Tränen. Nicht laut, nicht schluchzend, sondern still, ein stummer Strom, der über seine Wangen läuft und auf Sonjas T-Shirt tropft. Er weint vor Verzweiflung, vor Angst, vor Schuldgefühlen. Er weint, weil er nicht weiß, ob er sie gerettet oder nur noch tiefer in die Dunkelheit gestoßen hat. Leandro legt eine Hand auf seine Schulter. Sagt nichts. Es gibt nichts zu sagen.

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