
Tarnograds Echo
Die grob gezimmerten Bretter des Bettes knarren leise unter mir. Jeder Atemzug schmeckt nach kaltem Rauch und abgestandenem Bier.
Story context
World description
Universum f\u00fcr diese Geschichte: Endzeit
Objective
Die unbekannte Dimension
Chapter samples
1Chapter 1▾
Die grob gezimmerten Bretter des Bettes knarren leise unter mir. Jeder Atemzug schmeckt nach kaltem Rauch und abgestandenem Bier. Ein schwacher Lichtschein dringt durch die Ritzen der notdürftig vernagelten Fensterläden und tanzt auf dem schmutzigen Betonfußboden. Ich liege da, nackt, die Haut übersät mit blauen Flecken, Zeugen einer Nach...
Die grob gezimmerten Bretter des Bettes knarren leise unter mir. Jeder Atemzug schmeckt nach kaltem Rauch und abgestandenem Bier. Ein schwacher Lichtschein dringt durch die Ritzen der notdürftig vernagelten Fensterläden und tanzt auf dem schmutzigen Betonfußboden. Ich liege da, nackt, die Haut übersät mit blauen Flecken, Zeugen einer Nacht, die im Nebel meiner Sucht versunken ist. Typ. Sein Name ist ein Echo in meinem Kopf, ein Versprechen und eine Drohung zugleich. Ich weiß nicht, wo er jetzt ist. Vermutlich schon wieder auf der Suche nach dem nächsten Kick, dem nächsten schnellen Euro. Es ist immer das Gleiche. Ein Strudel aus Ekstase und Ernüchterung, der uns immer tiefer in diesen Abgrund zieht. Meine Kinder. Der Gedanke an sie ist ein Stich ins Herz. Drei kleine Leben, die auf mich angewiesen sind, und ich… Ich liege hier, unfähig, mich um sie zu kümmern, gefangen in meinem eigenen Elend. Ich muss aufstehen. Ich muss etwas tun. Für sie. Für mich. Mühsam richte ich mich auf, die Glieder schwer wie Blei. Ein Blick in den zersplitterten Spiegel, der an der Wand hängt, zeigt mir das Spiegelbild einer gebrochenen Frau. Die einst hellblonden Haare sind stumpf und ungepflegt, die Augenringe tief und dunkel. Ich bin kaum wiederzuerkennen. Ich taste nach meinen Kleidern, die achtlos auf dem Boden verstreut liegen. Eine zerrissene Jeans, ein abgewetztes Top. Mehr habe ich nicht. Aber es muss reichen. Ich muss hier raus. Raus aus dieser Wohnung, raus aus diesem Leben. Draußen ist die Luft kalt und feucht. Der Himmel hängt grau und schwer über Kassel. Die Endzeit hat die Stadt fest im Griff. Überall Ruinen, Trümmer, verlassene Häuser. Nur vereinzelt sind Menschen unterwegs, ihre Gesichter von Entbehrung und Misstrauen gezeichnet. Ich spüre ihren Blick auf mir ruhen, voller Verachtung und Neugier. Ich bin eine von ihnen, eine Gezeichnete, eine Verlorene. Aber ich bin noch nicht am Ende. Noch nicht. Ein Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Ein leises Knistern, ein Rascheln in den Büschen. Ich bleibe stehen, lausche. Es ist schwer zu sagen, woher es kommt. Die Stadt ist voller Geräusche, voller Gefahren. Ich sollte vorsichtig sein. Ein kalter Windstoß fährt mir in die Knochen. Die leise Melodie einer längst vergangenen Zeit weht von weitem herüber.
2Chapter 2▾
Meine Stimme zittert, als ich die Worte ausspreche. "Ich brauche Hilfe, bitte!" Das Echo meiner Bitte verhallt ungehört zwischen den Ruinen. Die wenigen Gestalten, die sich in der Ferne bewegen, scheinen mich nicht zu bemerken, oder sie wollen es nicht. Ihre Blicke sind leer, abweisend. Jeder ist sich selbst der Nächste in dieser zerstört...
Meine Stimme zittert, als ich die Worte ausspreche. "Ich brauche Hilfe, bitte!" Das Echo meiner Bitte verhallt ungehört zwischen den Ruinen. Die wenigen Gestalten, die sich in der Ferne bewegen, scheinen mich nicht zu bemerken, oder sie wollen es nicht. Ihre Blicke sind leer, abweisend. Jeder ist sich selbst der Nächste in dieser zerstörten Welt. Ich taste mich an der bröckelnden Fassade eines Hauses entlang, die Finger schmutzig und rau. Die Kälte kriecht unter meine Haut, verstärkt noch das Gefühl der Verlassenheit. War es naiv zu glauben, jemand würde mir helfen? Vielleicht. Aber ich kann nicht aufgeben. Nicht jetzt. Nicht, solange noch ein Funken Hoffnung in mir glimmt. Plötzlich, ein Geräusch. Schritte. Schwer und langsam nähern sie sich von hinten. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ist es eine Gefahr? Oder vielleicht doch jemand, der mir beistehen kann? Ich drehe mich um, bereit, mich zu verteidigen, falls nötig. Ein Mann steht vor mir, groß und hager, das Gesicht von Narben gezeichnet. Seine Augen mustern mich misstrauisch. Er trägt zerschlissene Kleidung, die kaum mehr als Fetzen sind. In der Hand hält er einen rostigen Bolzenschneider. Er sagt nichts, starrt mich nur an. Die Stille zwischen uns ist fast greifbar, erfüllt von einer unterschwelligen Spannung. Ich versuche, seinen Blick zu deuten, herauszufinden, ob er Freund oder Feind ist. "Ich...ich brauche wirklich Hilfe", stammle ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Der Mann rührt sich nicht. Seine Augen bleiben auf mich gerichtet, kalt und unerbittlich. Dann, langsam, hebt er den Bolzenschneider. Ich weiche zurück, bereit zur Flucht. Doch er macht keine Anstalten, mich anzugreifen. Stattdessen wendet er sich ab und geht wortlos davon. Ich bleibe stehen, verwirrt und enttäuscht. War das alles? War das meine Chance auf Hilfe? Ich starre ihm nach, wie er in den Ruinen verschwindet. Was wird aus mir?
3Chapter 3▾
Ich stehe da, allein inmitten der Trümmer meiner einstigen Heimat. Was nun? Wo soll ich hin? Die Verzweiflung droht, mich zu überwältigen, doch ich darf nicht aufgeben. Meine Kinder brauchen mich. Also setze ich einen Fuß vor den anderen, tiefer hinein in das zerstörte Kassel. Vielleicht finde ich ja doch noch jemanden, der helfen kann. O...
Ich stehe da, allein inmitten der Trümmer meiner einstigen Heimat. Was nun? Wo soll ich hin? Die Verzweiflung droht, mich zu überwältigen, doch ich darf nicht aufgeben. Meine Kinder brauchen mich. Also setze ich einen Fuß vor den anderen, tiefer hinein in das zerstörte Kassel. Vielleicht finde ich ja doch noch jemanden, der helfen kann. Oder zumindest einen Ort, an dem ich zur Ruhe kommen kann. Ich folge einer alten Straße, vorbei an zerfallenen Häusern und umgestürzten Autos. Der Wind pfeift durch die Ruinen und trägt den Geruch von Staub und Verwesung mit sich. Es ist ein trostloser Anblick. Doch ich lasse mich nicht entmutigen. Ich muss stark sein. Für meine Kinder. Plötzlich entdecke ich in der Ferne ein Licht. Ein schwaches, flackerndes Licht, aber immerhin ein Zeichen von Leben. Ein Funke Hoffnung entzündet sich in mir. Vielleicht ist dort Hilfe zu finden. Ich beschleunige meine Schritte, gehe auf das Licht zu. Je näher ich komme, desto deutlicher erkenne ich, dass es aus einem alten Kellergewölbe stammt. Der Eingang ist notdürftig mit Brettern und Planen verbarrikadiert. Zögernd nähere ich mich dem Eingang und lausche. Ich höre gedämpfte Stimmen. Menschen? Oder etwas anderes? Vorsichtig schiebe ich eine der Planen beiseite und spähe in den dunklen Raum. Was ich sehe, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.




