
die dunkle Zone
Du schwebst. Schwerelosigkeit umgibt dich, Yvonne Brusius, doch die Kälte des Stahlbodens unter deinen Füßen erinnert dich schmerzhaft an die Realität.
Story context
World description
im Weltall
Objective
in der Zukunft 10 5325 Jahre spater
Chapter samples
1Chapter 1▾
Du schwebst. Schwerelosigkeit umgibt dich, Yvonne Brusius, doch die Kälte des Stahlbodens unter deinen Füßen erinnert dich schmerzhaft an die Realität. Satellit 0815. Deine Realität. Dein Reich, einst aufgebaut auf Verstand und Wissenschaft, jetzt ein schwimmender Puff im endlosen Schwarz. Durch das Panoramafenster deines Büros erblickst...
Du schwebst. Schwerelosigkeit umgibt dich, Yvonne Brusius, doch die Kälte des Stahlbodens unter deinen Füßen erinnert dich schmerzhaft an die Realität. Satellit 0815. Deine Realität. Dein Reich, einst aufgebaut auf Verstand und Wissenschaft, jetzt ein schwimmender Puff im endlosen Schwarz. Durch das Panoramafenster deines Büros erblickst du die Erde, eine ferne Murmel in der Dunkelheit. Vor zehn Jahrtausenden, 5325 um genau zu sein, war sie noch dein Zuhause. Jetzt ist sie nur noch ein flüchtiger Gedanke, überlagert von den drängenden Problemen deiner Etablissements. "Zum Wilden Pony" und "Zur Geilen Möse" – Namen, die dir auf der Zunge bitter schmecken, doch sie sind dein Überleben. Du bist Erotica, so nennen dich die anderen hier, eine Fassade, die du dir über die Jahre aufgebaut hast, um zu überleben. Eine Frau, die keine Skrupel kennt, die ihre Bordelle mit eiserner Faust führt. Doch unter dieser Maske brodelt Yvonne, die Nobelpreisträgerin, das Wunderkind, das die Welt verändern wollte. Ein leises Summen lässt dich zusammenzucken. Dein persönlicher Kommunikator. Die Anzeige verrät: Mario. Dein Mario. Der Vater deiner Kinder, der Mann, der dich liebt, trotz allem. Oder gerade deswegen? „Erotica?“, seine Stimme ist rau, voller unausgesprochener Sehnsucht. „Wir haben ein Problem im Frachtraum. Ein Gefangenentransporter ist angedockt. Die Insassen... sie sind anders.“ Ein kalter Schauer läuft dir über den Rücken. Gefangenentransporter bedeuten Ärger. Meistens Ärger, der dich in deinen dunklen Süchten noch tiefer versinken lässt. Du versuchst, deine innere Unruhe zu unterdrücken. „Anders? Inwiefern, Mario?“, fragst du, deine Stimme so kühl und distanziert, wie du es gelernt hast. „Sie... sie sehen aus wie von einem anderen Stern. Und sie riechen... nach Apokalypse.“ Apokalypse. Ein Wort, das in dir eine Flut von Erinnerungen auslöst. Erinnerungen an deine Kindheit in Kassel Nord-Stadt, an deinen Bruder Patrick, alias emiZy, an lange Nächte mit Hardtekk von Gebrüder Brett und Haimkind. Erinnerungen, die von Drogen und Persönlichkeitsstörungen überlagert werden. „Ich komme runter“, sagst du, die Entscheidung in dir reifend. „Bereite alles vor. Und Mario... sei vorsichtig.“ Du legst auf und blickst erneut auf die Erde. Was erwartet dich im Frachtraum? Was bedeutet dieser Gefangenentransporter für dein Leben, für dein Reich? Die Antwort liegt verborgen in den Tiefen von Satellit 0815, in den Augen der Gefangenen, die nach Apokalypse riechen. Du atmest tief durch und machst dich auf den Weg, bereit, dich deiner Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft zu stellen.
2Chapter 2▾
Du verlässt dein Büro, die Stille wird von dem gedämpften Pulsieren der Lebenserhaltungssysteme des Satelliten durchbrochen. Der Gang ist schmal, die Wände sind mit abgenutzten Stahlplatten verkleidet. Vorbei an verschlossenen Kammern, aus denen leises Stöhnen und Kichern dringt, die Überbleibsel einer ausschweifenden Nacht. Der Geruch vo...
Du verlässt dein Büro, die Stille wird von dem gedämpften Pulsieren der Lebenserhaltungssysteme des Satelliten durchbrochen. Der Gang ist schmal, die Wände sind mit abgenutzten Stahlplatten verkleidet. Vorbei an verschlossenen Kammern, aus denen leises Stöhnen und Kichern dringt, die Überbleibsel einer ausschweifenden Nacht. Der Geruch von billigem Parfüm und synthetischem Schweiß liegt in der Luft. Du spürst, wie sich Erotica in dir aufbäumt, die kühle, berechnende Geschäftsfrau, die mit solchen Situationen umzugehen weiß. Yvonne verschwindet für einen Moment, vergraben unter einer Schicht aus Zynismus und abgehärteter Gleichgültigkeit. Der Frachtraum ist groß und düster, notdürftig beleuchtet von flackernden Neonröhren. Der angedockte Gefangenentransporter dominiert den Raum, ein monströser Metallzylinder, der an eine vergangene Zeit erinnert. Mario steht bereits am geöffneten Schott, seine Gestalt wirkt angespannt und unruhig. Er trägt seine schwere Techno-Ausrüstung, die ihm normalerweise ein Gefühl von Stärke gibt, doch jetzt scheint sie ihm eher zur Last zu fallen. „Sie sind drin“, sagt er leise, als er dich erblickt. „Ich habe zwei Wachen postiert, aber sie sind nervös. Die Luft hier drin ist... komisch.“ Du nickst und trittst näher. Der Geruch, den Mario erwähnt hat, schlägt dir entgegen wie eine Faust. Ein süßlicher, fauliger Geruch, vermischt mit einer metallischen Note, die an altes Blut erinnert. Apokalypse. Ein Geruch, der in deinem Unterbewusstsein tief verankert ist. Du ziehst deine Waffe, eine simple Laserpistole, die du selten benutzt, aber immer griffbereit hast. „Zeig mir, was wir haben, Mario. Und sei bereit, zu feuern.“ Vorsichtig betrittst du den Transporter. Die Luft ist stickig und feucht, der Geruch ist hier noch intensiver. Das Innere ist karg und funktional, mit Reihen von Zellen, die an beiden Seiten des Ganges aufgereiht sind. Die meisten sind leer, doch in den letzten Zellen entdeckst du sie. Drei Gestalten, zusammengekauert in ihren Zellen, die Augen weit aufgerissen, fixieren dich mit einem Blick, der mehr Angst als Aggression verrät. Sie sind anders. Ihre Haut ist von einem bläulichen Schimmer überzogen, ihre Gliedmaßen sind ungewöhnlich lang und dünn. Ihre Augen sind groß und schwarz, ohne Pupillen, die dich zu durchdringen scheinen. Und sie riechen nach Apokalypse, nach Zerstörung und Verfall. „Wer seid ihr?“, fragst du, deine Stimme fest, obwohl dein Herz schneller schlägt. „Und was wollt ihr hier?“
3Chapter 3▾
Die Gestalten zucken bei deiner Frage zusammen. Eine von ihnen, die am wenigsten verängstigt wirkt, öffnet ihren schmalen Mund und haucht eine Antwort, die kaum mehr als ein Flüstern ist. "Wir... wir sind Flüchtlinge. Wir fliehen vor... dem Konsortium." Mario tritt näher, seine Techno-Ausrüstung knistert leise. "Das Konsortium? Was ist d...
Die Gestalten zucken bei deiner Frage zusammen. Eine von ihnen, die am wenigsten verängstigt wirkt, öffnet ihren schmalen Mund und haucht eine Antwort, die kaum mehr als ein Flüstern ist. "Wir... wir sind Flüchtlinge. Wir fliehen vor... dem Konsortium." Mario tritt näher, seine Techno-Ausrüstung knistert leise. "Das Konsortium? Was ist das?" Die Gestalt schüttelt den Kopf, ihre Bewegungen sind ruckartig und unkoordiniert. "Sie... sie sind überall. Sie nehmen alles. Leben, Ressourcen, alles." Du betrachtest die drei Flüchtlinge genauer. Ihre bläuliche Haut wirkt fast durchscheinend, ihre Knochen scheinen unter der Oberfläche durch. Sie sind offensichtlich geschwächt und verängstigt. Doch irgendetwas an ihrer Geschichte kommt dir seltsam vor. Flüchtlinge? Vor dem Konsortium? Das ergibt keinen Sinn. Das Konsortium kontrolliert den größten Teil der bekannten Galaxie. Wohin sollten sie fliehen? "Warum seid ihr hier?", fragst du erneut, deine Stimme ist nun schärfer. "Warum seid ihr auf diesem Transporter?" Die Gestalt zögert. "Wir... wir wurden gefangen genommen. Sie haben uns versprochen, uns in Sicherheit zu bringen. Aber dann..." Sie bricht ab, Tränen steigen in ihre großen, schwarzen Augen. Du spürst, wie Erotica ungeduldig wird. Die Wahrheit liegt irgendwo unter diesen Lügen, und du wirst sie herausfinden. "Mario, durchsuche den Transporter. Ich will jeden Winkel sehen. Und finde heraus, wer diese 'Schleuser' waren." Mario nickt und beginnt, die Zellen zu inspizieren. Du wendest dich wieder den Gestalten zu. "Ihr habt mir noch nicht alles erzählt. Was verschweigt ihr?" Die Gestalt windet sich unter deinem Blick. "Wir... wir haben etwas, das sie wollen. Etwas sehr Wertvolles." "Was denn?", fragst du. Die Gestalt beugt sich vor, ihre Stimme ist nur noch ein Hauch. "Wir... wir tragen die Saat des Wandels in uns."




