verstrahlt
Public Story

verstrahlt

Die staubige Luft kratzt in meiner Kehle, als ich die Überreste eines verlassenen Wohnmobils durchsuche. "Erotica, denk dran, was Doktor Mutti uns beigebracht hat", murmle ich vor mich hin, während ich eine Dose Pfirsiche entdecke, deren Etikett fast vollständig verblichen ist.

blondes.Yvi27
Authorblondes.Yvi27
Created17. December 2025
Chapters3

Story context

World description

Universe for this story: Endzeit

Initial situation

endzeit Apokalypse

Objective

neues Zuhause finden

Chapter samples

1
Chapter 1
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Die staubige Luft kratzt in meiner Kehle, als ich die Überreste eines verlassenen Wohnmobils durchsuche. "Erotica, denk dran, was Doktor Mutti uns beigebracht hat", murmle ich vor mich hin, während ich eine Dose Pfirsiche entdecke, deren Etikett fast vollständig verblichen ist. Mein Magen knurrt, ein ohrenbetäubendes Geräusch in dieser to...

Die staubige Luft kratzt in meiner Kehle, als ich die Überreste eines verlassenen Wohnmobils durchsuche. "Erotica, denk dran, was Doktor Mutti uns beigebracht hat", murmle ich vor mich hin, während ich eine Dose Pfirsiche entdecke, deren Etikett fast vollständig verblichen ist. Mein Magen knurrt, ein ohrenbetäubendes Geräusch in dieser totenstillen Welt. Es ist der 27. Juni, mein 37. Geburtstag, und das Geschenk, das mir diese Apokalypse beschert hat, ist alles andere als erfreulich. Draußen liegt Kassel in Trümmern. Wo einst pulsierendes Leben herrschte, gähnt jetzt eine endlose Ödnis, bedeckt von einer dicken Schicht Asche und dem Geruch von Verwesung. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich hier an der Universität Physik und Chemie studierte, eine Ewigkeit scheint das her. Ich war Yvonne Brusius, eine ehrgeizige Doktorandin. Jetzt bin ich nur noch Erotica, eine Überlebende mit einer Vergangenheit, die mich verfolgt wie ein Schatten. Meine Kinder – Eneico, Marino und Jasmin Rosemarie – sind meine treibende Kraft. Ich muss sie finden. Ich muss sicherstellen, dass sie in dieser Hölle überlebt haben. Ein lautes Krachen lässt mich zusammenzucken. Ich reiße die rostige Tür des Wohnmobils auf und spähe in die Dämmerung. Ein Mann steht am Rande des ehemaligen Parks Schönfeld, seine Gestalt verschwommen im Zwielicht. Er ist groß, muskulös und trägt eine abgewetzte Lederjacke. Mario. Mein alter Freund, manchmal mehr, manchmal weniger. "Erotica?", seine Stimme ist rau, aber erleichtert. "Ich habe dich gesucht. Hast du was gefunden?" Ich nicke, halte ihm die Dose Pfirsiche entgegen. "Geburtstagsessen." Mario grinst schief, ein Anflug von seinem alten Charme blitzt auf. "Na, dann mal herzlichen Glückwunsch, meine Liebe. Hätte ich gewusst, dass es so ein besonderer Tag ist, hätte ich dir einen Strauß verdorrter Rosen vom Acker besorgt." Ich seufze. Mario. Narzisstisch, drogenabhängig, aber auch einer der wenigen Menschen, denen ich in dieser Welt noch vertraue. Wir kennen uns seit unseren Jugendzeiten in Kassel. Er weiß um meine Schwächen, meine Vergangenheit, meine Dämonen. Und trotzdem ist er geblieben. "Hast du etwas über meine Kinder gehört?", frage ich, die Hoffnung in meiner Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Marios Gesicht verdunkelt sich. "Ich habe gehört, dass sich eine Gruppe Überlebender in der alten документ фабрика verschanzt hat. Vielleicht sind sie dort." Die документ фабрика. Ein Schlachthof der alten Welt, jetzt vielleicht unsere Rettung. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Dorthin müssen wir.

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Chapter 2
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Ich nicke entschlossen. "Dann los. Keine Zeit zu verlieren." Ich stecke die Dose Pfirsiche in meinen Rucksack, ein zerschlissener Armeebeutel, der schon bessere Tage gesehen hat. Die Dose ist eine wertvolle Mahlzeit, ein kleiner Luxus in dieser trostlosen Realität. Gemeinsam verlassen Mario und ich das Wohnmobil. Die Stille, die uns umgi...

Ich nicke entschlossen. "Dann los. Keine Zeit zu verlieren." Ich stecke die Dose Pfirsiche in meinen Rucksack, ein zerschlissener Armeebeutel, der schon bessere Tage gesehen hat. Die Dose ist eine wertvolle Mahlzeit, ein kleiner Luxus in dieser trostlosen Realität. Gemeinsam verlassen Mario und ich das Wohnmobil. Die Stille, die uns umgibt, ist erdrückend. Nur das Knistern der Asche unter unseren Füßen durchbricht die gespenstische Ruhe. Der Himmel ist bleigrau, ein Spiegelbild der Hoffnungslosigkeit, die in mir nagt. Mario geht voran, sein Blick wachsam, die Hand an dem rostigen Messer, das er in seinem Gürtel trägt. Er ist ein Überlebenskünstler, hat gelernt, sich in dieser Welt zu behaupten. Ich folge ihm, meine Sinne geschärft, bereit für jede Gefahr, die uns begegnen könnte. Der Weg zur документ фабрика führt durch die Ruinen von Kassel. Vorbei an eingestürzten Häusern, verlassenen Autos und den skelettartigen Überresten dessen, was einst blühende Geschäfte waren. Überall liegen Trümmer, Geröll und Asche. Es ist ein Mahnmal des Untergangs, eine Erinnerung daran, was wir verloren haben. Einige Häuser sind notdürftig mit Brettern vernagelt. Vermutlich leben hier noch Menschen. Ich sehe keine. Nur Stille und Zerstörung. Wir passieren den Königsplatz, wo früher das pulsierende Herz der Stadt schlug. Jetzt ist er ein trostloser Platz, übersät mit Müll und den verrotteten Überresten von Zelten, die einst als Notunterkünfte dienten. Ich erinnere mich an die Demonstrationen, die hier stattfanden, an die Konzerte, die mein Herz mit Freude erfüllten. Alles ausgelöscht. Plötzlich bleibt Mario stehen, seine Muskeln angespannt. "Warte", flüstert er. "Ich habe etwas gehört." Ich halte den Atem an, lausche in die Stille. Zuerst höre ich nichts, dann ein leises Wimmern, das aus den Trümmern eines nahegelegenen Hauses zu kommen scheint. Es klingt schwach, fast wie ein Tier, das in einer Falle gefangen ist. "Was ist das?", frage ich, meine Hand zitternd nach einem Stück Metall greifend, das als Waffe dienen könnte. Mario schüttelt den Kopf. "Ich weiß es nicht. Aber wir sollten nachsehen." Langsam, vorsichtig nähern wir uns dem Haus, bereit, uns jeder Gefahr zu stellen. Das Wimmern wird lauter, deutlicher. Es klingt immer weniger tierisch, immer mehr menschlich. Als wir das Haus erreichen, sehen wir, was die Geräusche verursacht. Zwischen den Trümmern liegt ein kleines Mädchen, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Ihr Gesicht ist schmutzig, ihre Augen voller Angst. Sie umklammert einen zerfetzten Teddybären und weint leise vor sich hin.

3
Chapter 3
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Ich gehe sofort auf das Kind zu, lasse das Metallstück fallen. "Hey", sage ich sanft, meine Stimme so beruhigend wie möglich. "Alles wird gut. Keine Angst, wir tun dir nichts." Mario bleibt im Hintergrund, das Messer immer noch in der Hand, bereit einzugreifen, falls sich die Situation ändert. Er traut der Lage nicht. Das Mädchen starrt...

Ich gehe sofort auf das Kind zu, lasse das Metallstück fallen. "Hey", sage ich sanft, meine Stimme so beruhigend wie möglich. "Alles wird gut. Keine Angst, wir tun dir nichts." Mario bleibt im Hintergrund, das Messer immer noch in der Hand, bereit einzugreifen, falls sich die Situation ändert. Er traut der Lage nicht. Das Mädchen starrt mich mit großen Augen an, Tränen vermischen sich mit dem Schmutz auf ihren Wangen. Sie presst den Teddybären fester an sich, als ob er ihr einziger Halt in dieser Hölle wäre. Ich hocke mich vor sie hin, versuche, Blickkontakt herzustellen. "Wie heißt du?", frage ich. "Ich bin Yvonne, und das ist Mario." Sie zögert einen Moment, dann flüstert sie leise: "Lena." "Lena", wiederhole ich, lächle ihr sanft zu. "Das ist ein schöner Name. Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?" Lena beginnt zu weinen, schluchzt heftig. "Weg", presst sie hervor. "Monster haben sie geholt." Monster. Dieses Wort lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Was auch immer sie gesehen hat, es muss schrecklich gewesen sein. Ich frage mich, ob es sich um Mutanten, marodierende Banden oder etwas noch Schlimmeres handelt. "Okay, Lena", sage ich, versuche, meine Stimme ruhig zu halten. "Es tut mir leid, das zu hören. Aber du bist jetzt in Sicherheit. Wir passen auf dich auf. Hast du Hunger?" Sie nickt zaghaft. Ich krame in meinem Rucksack und hole die Dose Pfirsiche heraus. Sie ist das Einzige, was ich ihr anbieten kann. "Hier", sage ich und reiche ihr die Dose. "Das kannst du haben." Lenas Augen weiten sich. Sie nimmt die Dose vorsichtig entgegen, als wäre sie ein kostbares Juwel. Mit zitternden Händen öffnet sie sie und beginnt, gierig die süßen Pfirsiche zu essen. Während sie isst, betrachte ich sie genauer. Sie ist dünn, viel zu dünn für ihr Alter. Ihre Kleidung ist schmutzig und zerrissen. Trotzdem strahlt sie eine gewisse Widerstandsfähigkeit aus, einen Überlebenswillen, der mich beeindruckt. Ich weiß, dass wir sie nicht einfach hier zurücklassen können. Wir müssen sie mitnehmen, sie beschützen. Aber das bedeutet auch eine zusätzliche Verantwortung, eine zusätzliche Last auf unserem Weg. Kann ich das stemmen? Kann ich ein Kind in dieser Welt beschützen? Ich blicke zu Mario, der mich erwartungsvoll ansieht. Seine Augen sind voller Fragen. Ich weiß, dass er Bedenken hat. Aber ich sehe auch einen Hauch von Mitgefühl in seinem Blick. Ich nicke ihm zu, ein stilles Einverständnis. "Wir nehmen sie mit", sage ich. "Sie kommt mit uns zur Dokumentenfabrik."

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