
Detroit: Krähen und Erinnerungen
Die Neonreklamen von Detroit spiegeln sich rot und blau in den nassen Straßen. Es ist Halloween, der Jahrestag, an dem Eric dir genommen wurde.
Story context
World description
The Crow – Die Rache der Krähe
Character introduction

Arjun
Role: Unsterblicher Gott
Chapter samples
1Chapter 1▾
Die Neonreklamen von Detroit spiegeln sich rot und blau in den nassen Straßen. Es ist Halloween, der Jahrestag, an dem Eric dir genommen wurde. Ein kalter Wind weht durch die Gassen und trägt den Geruch von Verwesung und billigem Whiskey mit sich. Du stehst am Hafen, dort, wo Eric und du euch das erste Mal geküsst habt. Die Erinnerung sch...
Die Neonreklamen von Detroit spiegeln sich rot und blau in den nassen Straßen. Es ist Halloween, der Jahrestag, an dem Eric dir genommen wurde. Ein kalter Wind weht durch die Gassen und trägt den Geruch von Verwesung und billigem Whiskey mit sich. Du stehst am Hafen, dort, wo Eric und du euch das erste Mal geküsst habt. Die Erinnerung schmerzt wie eine offene Wunde. Du bist Arjun, zwanzig Jahre jung, und obwohl Jahre vergangen sind, seitdem Eric unter grausamen Umständen starb, hat die Zeit deine Trauer nicht gelindert. Dein schlanker Körper zittert unter dem dünnen Mantel, die rabenschwarzen Haare umrahmen dein helles, fast zerbrechliches Gesicht. Deine feuerroten Augen, einst ein Spiegel von Freude, sind jetzt von einem Schleier der Melancholie überzogen. Du bist ein Künstler der Dunkelheit, ein Hellseher, doch selbst deine Gabe konnte Erics Tod nicht verhindern. Du schließt die Augen. Die Bilder sind so lebendig, als wäre es gestern gewesen: Eric, seine sanften Augen, sein Lächeln, das die Nacht erhellen konnte. Dann das Knacken der Knochen, das Schreien, das Blut. Und die Krähe. Sie war Erics Bote, sein Begleiter auf seinem Rachefeldzug. Sie brachte ihn zurück, damit er die Gerechtigkeit vollstrecken konnte, die ihm und dir verwehrt wurde. Ein Rauschen der Flügel reißt dich aus deinen Gedanken. Eine Krähe landet auf der morschen Reling direkt vor dir. Sie ist groß, ihre Federn glänzen pechschwarz im fahlen Licht. Sie neigt den Kopf, als würde sie dich mustern. Du spürst eine seltsame Verbindung zu diesem Tier, eine Ahnung, dass es mehr ist als nur ein gewöhnlicher Vogel. Plötzlich durchbricht ein lautes Geräusch die Stille. Ein Schrei, gefolgt von einem dumpfen Knall. Es kommt von der Lagerhalle am Ende des Hafens. Instinktiv spürst du, dass etwas nicht stimmt. Eine dunkle Vorahnung steigt in dir auf, ein Gefühl, das du nur zu gut kennst. Es ist die gleiche Angst, die du in der Halloween-Nacht vor Jahren gespürt hast, als Eric starb. Die Krähe krächzt unruhig und fliegt in Richtung der Lagerhalle. Du zögerst einen Moment, dann folgst du ihr. Deine Füße bewegen sich wie von selbst, getrieben von einer Macht, die du nicht kontrollieren kannst. Die Vergangenheit hat dich gezeichnet, aber sie hat dich auch gestärkt. Du weißt, dass du nicht länger hilflos zusehen kannst. Du musst handeln. Du musst herausfinden, was in dieser Lagerhalle vor sich geht.
2Chapter 2▾
Du näherst dich der Lagerhalle. Die Tür steht sperrangelweit offen und gibt den Blick auf ein chaotisches Durcheinander frei. Kisten sind umgestürzt, Glasscherben knistern unter deinen Füßen. Der Geruch von Blut liegt schwer in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Gestank von Opium. Die Krähe hockt auf einem der umgestürzten Container un...
Du näherst dich der Lagerhalle. Die Tür steht sperrangelweit offen und gibt den Blick auf ein chaotisches Durcheinander frei. Kisten sind umgestürzt, Glasscherben knistern unter deinen Füßen. Der Geruch von Blut liegt schwer in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Gestank von Opium. Die Krähe hockt auf einem der umgestürzten Container und beobachtet dich mit ihren wachsamen Augen. Du betrittst die Halle vorsichtig, deine Sinne sind aufs Äußerste gespannt. Schatten tanzen an den Wänden, flackernde Neonröhren werfen ein unheimliches Licht auf die Szenerie. Du hörst ein leises Wimmern aus einer dunklen Ecke. Du folgst dem Geräusch und entdeckst eine Gestalt, die zusammengekauert am Boden liegt. Es ist ein Mann, jung, vielleicht Mitte zwanzig, sein Gesicht ist blutüberströmt und von Striemen gezeichnet. Er trägt eine zerrissene Lederjacke und eine Tätowierung einer Krähe auf seinem linken Arm. „Hilfe…“, flüstert er mit gebrochener Stimme. „Sie… sie haben ihn…“ Du kniest dich neben ihn. „Wer hat das getan? Was ist passiert?“ Der Mann ringt nach Luft. „Judah… Judah Earl… und seine Gang. Sie suchen nach etwas… einem Amulett…“ Der Name Judah Earl lässt dich zusammenzucken. Es ist derselbe Name, der in Verbindung mit Erics Tod genannt wurde. Ein kalter Schauer läuft dir über den Rücken. Zufall? Oder ist dies mehr als nur ein zufälliger Überfall? „Sie haben meinen Sohn…“, presst der Mann hervor. „Sie haben ihn mitgenommen…“ Du siehst die Verzweiflung in seinen Augen, den Schmerz, der deinen eigenen Schmerz vor Jahren widerspiegelt. Du erkennst ihn. Es ist Ashe Corven, der Mechaniker. Die Krähe auf seinem Arm ist ein untrügliches Zeichen. Er ist wie Eric, ein Rächer, zurückgebracht, um das Unrecht zu sühnen. „Ich werde dir helfen“, sagst du entschlossen. „Ich werde deinen Sohn finden.“ Ashe blickt dich ungläubig an. „Du… du kennst mich nicht einmal.“ „Ich kenne deinen Schmerz“, erwiderst du. „Und ich weiß, dass Judah Earl gestoppt werden muss.“ Du hilfst Ashe auf die Beine. Er ist schwach und verletzt, aber in seinen Augen lodert ein Feuer, das die Dunkelheit zu vertreiben scheint. Zusammen verlasst ihr die Lagerhalle, die Krähe immer noch über euch kreisend. Du weißt, dass der Weg, der vor euch liegt, gefährlich sein wird. Judah Earl ist skrupellos und mächtig. Aber du bist nicht allein. Du hast Ashe, und du hast die Krähe. Und vor allem hast du die Erinnerung an Eric, die dich antreibt, die Dunkelheit zu bekämpfen. Die Rache hat einen neuen Namen, und du bist bereit, dich ihr anzuschließen.
3Chapter 3▾
Die kühlen Nebelschwaden umhüllen euch, als ihr den Hafen verlasst. Ashe humpelt neben dir, sein Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Schmerz und unbändigem Zorn. Die Krähe begleitet euch auf einem Strommast, ihr dunkles Gefieder verschmilzt fast mit der Nacht. „Wo bringen sie ihn hin?“, fragst du, deine Stimme ist ruhig, aber bestimmt....
Die kühlen Nebelschwaden umhüllen euch, als ihr den Hafen verlasst. Ashe humpelt neben dir, sein Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Schmerz und unbändigem Zorn. Die Krähe begleitet euch auf einem Strommast, ihr dunkles Gefieder verschmilzt fast mit der Nacht. „Wo bringen sie ihn hin?“, fragst du, deine Stimme ist ruhig, aber bestimmt. Ashe schüttelt den Kopf. „Ich weiß es nicht. Aber Judah hat ein Versteck in Chinatown. Eine alte Opiumhöhle. Vielleicht… vielleicht sind sie dort.“ Chinatown. Ein Labyrinth aus engen Gassen, dunklen Hinterhöfen und zwielichtigen Gestalten. Ein Ort, an dem das Gesetz oft machtlos ist. Ein Ort, den du nur ungern betreten würdest, aber für Ashe und seinen Sohn bist du bereit, jedes Risiko einzugehen. „Okay“, sagst du. „Chinatown. Aber wir brauchen einen Plan. Wir können nicht einfach hineinstürmen.“ Du führst Ashe in eine verlassene Gasse. Das Neonlicht einer nahegelegenen Bar wirft lange, unheimliche Schatten auf den feuchten Asphalt. Du lehnst dich an eine brüchige Ziegelmauer und denkst nach. Deine hellseherischen Fähigkeiten sind in solchen Momenten von unschätzbarem Wert. Du schließt die Augen und konzentrierst dich. Du lässt deine Gedanken schweifen, suchst nach Bildern, nach Hinweisen. Du siehst vage Umrisse, flackernde Kerzen, das Gesicht eines kleinen Jungen, der Angst hat. Du spürst die Dunkelheit, die in Chinatown lauert, die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit. Aber du spürst auch etwas anderes: eine schwache Flamme der Liebe, die sich weigert, zu erlöschen. „Es gibt einen alten Mann“, sagst du, deine Augen sind noch geschlossen. „Li Wei. Er lebt in einer kleinen Teestube in der Dragon Street. Er ist weise und kennt Chinatown wie seine Westentasche. Er könnte uns helfen.“ Ashe sieht dich ungläubig an. „Wie… wie weißt du das?“ Du öffnest die Augen und blickst ihn direkt an. „Ich sehe Dinge, Ashe. Dinge, die andere nicht sehen. Vertrau mir.“ Ashe nickt langsam. „Okay. Li Wei. Dragon Street. Lass uns gehen.“ Ihr macht euch auf den Weg. Die Straßen werden enger, die Luft ist erfüllt von exotischen Gerüchen und dem dumpfen Gerede der Menschen. Du spürst die Blicke auf dir, die Misstrauen und Neugierde widerspiegeln. Chinatown ist ein eigener Kosmos, eine Welt für sich, die sich Fremden nur ungern öffnet. Du gehst voran, Ashe folgt dir dicht auf den Fersen. Die Krähe begleitet euch weiterhin, ein stummer Wächter in der Dunkelheit. Du weißt, dass die Zeit drängt. Jeder Moment zählt. Der Junge könnte in Gefahr sein. Und du bist entschlossen, ihn zu retten, koste es, was es wolle. Für Eric. Für Ashe. Und für dich selbst. Die Dragon Street liegt vor euch, ein schmaler, dunkler Durchgang, der von roten Laternen spärlich beleuchtet wird. Die Teestube von Li Wei ist kaum zu erkennen, ein unscheinbares Loch in der Wand. Aber du spürst, dass dies der richtige Ort ist. Hier beginnt eure Suche.




