Edgars Reise
Public Story

Edgars Reise

Die Morgensonne kitzelt dich, Edgar, an deinen feinen Härchen, während du auf einem saftigen Johannisbeerblatt im Herzen des Waldes erwachst. Dein Magen knurrt – ein untrügliches Zeichen, dass ein weiterer Tag voller Entdeckungen und Köstlichkeiten vor dir liegt.

Emanuel Donat
AuthorEmanuel Donat
Created31. October 2025
Chapters125

Story context

World description

Universe for this story: Die Raupe Edgar

Character introduction

Edgar

Edgar

Role: raupe

Personalitywissbegierig,neugierig
Appearanceklein und pummelig

Chapter samples

1
Chapter 1
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Die Morgensonne kitzelt dich, Edgar, an deinen feinen Härchen, während du auf einem saftigen Johannisbeerblatt im Herzen des Waldes erwachst. Dein Magen knurrt – ein untrügliches Zeichen, dass ein weiterer Tag voller Entdeckungen und Köstlichkeiten vor dir liegt. Du bist Edgar, eine Raupe von stattlicher, wenn auch pummeliger Statur, und ...

Die Morgensonne kitzelt dich, Edgar, an deinen feinen Härchen, während du auf einem saftigen Johannisbeerblatt im Herzen des Waldes erwachst. Dein Magen knurrt – ein untrügliches Zeichen, dass ein weiterer Tag voller Entdeckungen und Köstlichkeiten vor dir liegt. Du bist Edgar, eine Raupe von stattlicher, wenn auch pummeliger Statur, und deine Neugier ist schier unstillbar. Die Welt um dich herum pulsiert mit Leben. Ameisen huschen geschäftig über den feuchten Waldboden, ein Specht hämmert unermüdlich an einem morschen Baumstamm, und der süße Duft von wilden Rosen liegt in der Luft. Du reckst und streckst dich, bevor du dich mit einem genüsslichen Knabbern dem Johannisbeerblatt zuwendest. Plötzlich raschelt es neben dir. Eine alte, runzelige Schnecke schiebt sich langsam ins Blickfeld. Es ist Gisela, eine weise und wortkarge Bewohnerin des Waldes, die schon unzählige Sommer und Winter erlebt hat. „Guten Morgen, Edgar“, krächzt sie mit rauer Stimme. Ihre Fühler wackeln bedächtig. „Guten Morgen, Gisela“, erwiderst du freundlich. „Was führt dich zu meinem bescheidenen Johannisbeerstrauch?“ Gisela lässt sich schwerfällig auf einem moosbewachsenen Zweig nieder. „Ich habe gehört, du willst dich auf die Reise begeben“, sagt sie, ohne Umschweife. Deine Fühler zucken überrascht. Woher weiß sie das? Du hattest noch niemandem von deinem Vorhaben erzählt. Seit Tagen schon spürst du diesen Drang, den Wald zu verlassen und das Unbekannte zu erkunden. Die Welt muss doch mehr zu bieten haben als nur Johannisbeerblätter und Baumstämme! „Es stimmt“, gibst du schließlich zu. „Ich möchte herausfinden, was jenseits des Waldes liegt.“ Gisela nickt langsam. „Der Weg ist weit und voller Gefahren, Edgar. Aber ich spüre, dass ein großes Abenteuer auf dich wartet.“ Sie hält inne, als wollte sie ihre Worte sorgfältig wählen. „Pass auf dich auf, kleiner Freund. Und vergiss nie, wer du bist.“ Mit diesen Worten kriecht Gisela davon, ihr silbriger Schleim zieht eine glitzernde Spur hinter sich her. Du blickst ihr nachdenklich hinterher. Was meint sie mit „vergiss nie, wer du bist“? Du bist Edgar, eine Raupe mit großem Appetit und noch größeren Träumen. Aber vielleicht steckt ja mehr dahinter, als du bisher ahnst. Du wendest dich wieder dem Wald zu. Die Bäume scheinen dich herausfordernd anzublicken, die Blätter rauschen geheimnisvoll im Wind. Du spürst, dass deine Reise jetzt beginnt.

2
Chapter 2
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Ein Schatten huscht über dich, Edgar. Du hebst deinen kleinen, runden Kopf und entdeckst Waldemar, eine dicke Amsel mit glänzend schwarzen Federn und einem unheilvollen Blick in den Augen. Sein Schnabel öffnet sich gierig, und du weißt sofort, dass du auf der Speisekarte stehst. Panikartig lässt du dich vom Johannisbeerblatt fallen. Der ...

Ein Schatten huscht über dich, Edgar. Du hebst deinen kleinen, runden Kopf und entdeckst Waldemar, eine dicke Amsel mit glänzend schwarzen Federn und einem unheilvollen Blick in den Augen. Sein Schnabel öffnet sich gierig, und du weißt sofort, dass du auf der Speisekarte stehst. Panikartig lässt du dich vom Johannisbeerblatt fallen. Der Aufprall ist sanft, aber die Gefahr ist real. Waldemar stürzt sich pfeilschnell herab. Du musst weg! Ohne zu zögern, beginnst du zu kriechen, so schnell dich deine vielen kleinen Beinchen tragen. Dein Herz rast, als du dich zwischen den Wurzeln eines alten Baumes hindurchzwängst. Waldemars wütendes Zwitschern hallt hinter dir wider. Er ist dir dicht auf den Fersen. Du erblickst in der Ferne ein kleines Häuschen, versteckt zwischen hoch aufragenden Farnen. Es ist das Zuhause von Werner, dem alten Hasen, einem weisen und freundlichen Bewohner des Waldes. Vielleicht kann er dir helfen! Mit aller Kraft robbst du auf das Häuschen zu. Die Zeit scheint stillzustehen, während du dich Meter für Meter vorwärtskämpfst. Waldemars Schatten verfolgt dich unerbittlich. Endlich erreichst du die hölzerne Tür. Du hämmerst mit deinem Kopf dagegen, so laut du kannst. „Werner! Werner, hilf mir!“, rufst du verzweifelt. Die Tür knarrt und öffnet sich einen Spalt. Ein müdes, braunes Auge blinzelt dich an. „Was ist denn los?“, fragt Werner mit heiserer Stimme. „Waldemar! Er will mich fressen!“, keuchst du. Werner versteht sofort die Situation. Er reißt die Tür auf und zieht dich blitzschnell ins Innere. Im selben Moment kracht Waldemar gegen die geschlossene Tür. „Puh, das war knapp!“, sagt Werner und atmet erleichtert auf. Er mustert dich besorgt. „Du scheinst ja ganz schön in Not gewesen zu sein, mein kleiner Freund.“ Du nickst heftig. „Danke, Werner. Du hast mir das Leben gerettet.“ Werner lächelt gütig. „Kein Problem, Edgar. Hier bei mir bist du in Sicherheit. Waldemar wird sich nicht trauen, sich mit mir anzulegen.“ Er bietet dir ein Stück Karotte an. „Ruhe dich erst mal aus und stärke dich. Dann erzählen wir uns in Ruhe, was passiert ist.“ Du nimmst das Angebot dankbar an und beisst in die saftige Karotte. Während du dich erholst, denkst du über Giselas Worte nach. Die Welt außerhalb des Waldes ist voller Gefahren, das hast du heute schmerzlich erfahren müssen. Aber auch voller freundlicher Wesen, wie Werner. Deine Reise hat gerade erst begonnen, und du bist entschlossen, sie fortzusetzen.

3
Chapter 3
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Die Luft im Haus von Werner ist warm und einladend, ein Gegensatz zu der tödlichen Hektik draußen. Werner, der gutmütige Hase, schließt die Tür sorgfältig ab und dreht sich dann dir und Waldemar zu, der immer noch wütend gegen die Tür hämmert. „So, so, Waldemar“, sagt Werner mit einer Ruhe, die dich überrascht. „Was führt dich denn zu so...

Die Luft im Haus von Werner ist warm und einladend, ein Gegensatz zu der tödlichen Hektik draußen. Werner, der gutmütige Hase, schließt die Tür sorgfältig ab und dreht sich dann dir und Waldemar zu, der immer noch wütend gegen die Tür hämmert. „So, so, Waldemar“, sagt Werner mit einer Ruhe, die dich überrascht. „Was führt dich denn zu so später Stunde zu mir?“ Waldemars wütendes Zwitschern verstummt abrupt. Du kannst durch einen Spalt in der Tür sehen, wie er sich unbehaglich auf seinen Krallen hin und her bewegt. „Ich… äh… wollte nur mal nach dem Rechten sehen“, krächzt er. „Und vielleicht einen kleinen Snack abholen.“ „Einen Snack?“, wiederholt Werner amüsiert. „Ich glaube, ich habe gerade genug Karotten für uns beide. Komm rein, Waldemar. Wir essen zusammen zu Abend. Aber benehmen dich!" Du bist verblüfft, als Werner die Tür wieder öffnet und Waldemar widerwillig hereinkommt. Der Speisesaal ist einfach, aber gemütlich, mit einem kleinen Holztisch und zwei Stühlen. Werner deutet auf einen Stuhl. Waldemar setzt sich widerwillig, seine Augen immer noch auf dich gerichtet. Werner legt drei Karotten auf den Tisch. „Für jeden einen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Und jetzt, Waldemar, erzähl mir, was dich wirklich hierherführt. Und Edgar, du hörst zu. Es ist wichtig, die Geschichten des Waldes zu kennen.“ Waldemar zögert, beugt sich dann aber vor. „Es gibt da eine Legende“, beginnt er mit gedämpfter Stimme. „Die Legende vom Düsterwald. Ein Ort jenseits der alten Eiche, wo die Sonne niemals scheint. Es heißt, wer diesen Wald betritt, verändert sich. Wird… dunkler.“ Werner nickt ernst. „Der Düsterwald. Ja, ich habe davon gehört. Ein gefährlicher Ort. Er soll die Herzen der Lebewesen verändern." „Es wird gesagt, dass der Wald einen beeinflusst“, fährt Waldemar fort. „So wie ich jetzt bin. Ich war nicht immer so… hungrig. So… ungeduldig. Aber seit ich mich dem Düsterwald genähert habe, ist etwas in mir erwacht." Du spürst einen Schauer über deinen kleinen Raupenkörper laufen. Du blickst zu Werner, der dich aufmerksam anschaut. „Die Legende besagt, dass der Düsterwald die dunkelsten Wünsche und Ängste eines jeden Lebewesens verstärkt“, erklärt Werner. „Er nährt sich von diesen Emotionen und verändert so das Wesen desjenigen, der sich zu tief in ihn hineinwagt.“ Waldemar senkt den Blick. „Ich wollte nur ein bisschen Abenteuer erleben“, murmelt er. „Ein bisschen mehr als nur Würmer und Beeren. Aber der Wald… er hat mich verändert.“ Werner legt eine Hand auf Waldemars Schulter. „Es ist nie zu spät, um sich zu ändern, Waldemar. Aber es erfordert Mut und Ehrlichkeit zu sich selbst." Dann wendet er sich dir zu. „Edgar, höre gut zu. Die Welt ist voller Wunder, aber auch voller Gefahren, die uns verändern können. Es ist wichtig, dass du auf deiner Reise deine Werte nicht vergisst. Dass du dich selbst treu bleibst."

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